Musik / CD

Underworld & Iggy Pop: Tea Time Dub Encounters (EP)Der coole Onkel Iggy

Nachdem der ewig junge Iggy Pop bereits letztes Jahr mit Oneohtrix Point Never zusammenarbeitete, ist es nicht mehr ganz überraschend, dass er ein elektronisch geprägtes Kollabo-Projekt mit Underworld veröffentlicht. Über die verträumten Produktionen, die unter dem Titel "Tea Time Dub Encounters" zusammengefasst werden, erzählt der inzwischen 71-Jährige Anekdoten aus seinem Leben als Rock-Rebell.

Der ehemalige Stooges-Frontmann bespielt gefühlt seit Hunderten von Jahren die Bühnen dieser Welt, bewegt sich dabei immer noch wie ein 20-Jähriger und macht keine Anzeichen, demnächst an Tempo zu verlieren. Underworlds größter Mainstream-Erfolg ist vermutlich das hervorragend gealterte Stück "Born Slippy" (2000), bekannt aus dem Soundtrack des kultigen Junkie-Dramas "Trainspotting". Auch Iggy Pop war mit dem Song "Lust For Life" auf der Audiospur des besagten Films vertreten.

Gerüchten zufolge entstand diese vier Tracks starke EP bei Sessions, die eigentlich zum Soundtrack für das "Trainspotting"-Sequel aus dem vergangenen Jahr beitragen sollten. Glaubt man der Pressemitteilung, entstanden die "Tea Time Dub Encounters" aber mal eben bei einem nachmittäglichen Tee.

Auf dem Opener "Bells & Circles" erinnert Iggy Pop sich an Zeiten, als das Rauchen in Flugzeugen noch erlaubt war, und er erzählt von einem Flirt mit einer Stewardess, der von seinem Kokainrausch sabotiert wurde. Das Rauchverbot ist laut Iggy ein Anzeichen für den Untergang des Liberalismus. "There will be no revolution and that's why it won't be televised."

mehr Bilder

Es ist bemerkenswert, wie Pops Texte den freigeistigen Rock'n'Roll-Ethos in Erinnerung rufen, ohne schmierig zu wirken - ein Kunststück, das heute nicht allen aus seiner Generation gelingt, geschweige denn auf Ambient- und Breakbeat-Tracks. Etwas wahllos wird es auf "I'll See Big": Ein entrückter Drum-Loop fiept vor sich hin, während Iggy ins Mikrofon hustet und darüber philosophiert, wie sich Freundschaften im Laufe seines Lebens verändert haben. Das hat eher die Atmosphäre eines biografischen Hörbuchs als die eines durchdachten Songs.

Iggy Pops sonorer tiefer Gesang ist auf "Tea Time Dub Encounters" nur punktuell zu hören. Den Großteil der Laufzeit spricht er in einer Manier, die manchmal nach Geschichtenerzählern der Marke Tom Waits, auf "Get Your Shirt" sogar nach Dark Wave-Acts der 80-er klingt. Auch der geisterhafte weibliche Gesang, der im Hintergrund schwirrt, erinnert an die Sisters of Mercy.

Karl Hyde und Rick Smith von Underworld verwenden Spoken-Word-Parts schon seit sie Anfang der 90-er erstmals als Elektronik-Duo auftraten (vorher waren sie eine Rockband). "Tea Time Dub Encounters" wird deshalb für Iggy-Pop-Fans nach einer mutigen und gelungenen Weiterentwicklung klingen, für Underworld-Fans eher nach Standardware. Weil musikalisch nicht wirklich eine Vermischung zweier Stile stattfindet. Es sind typische Underworld-Produktionen, über die Iggy Pop onkelhaft aus seinem Leben erzählt. Weil jeder gerne so einen coolen Onkel wie Iggy hätte, hört man ihm aber gerne zu.

Mathis Raabe

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelTea Time Dub Encounters (EP)
Bandname/InterpretUnderworld & Iggy Pop
Erhältlich ab27.07.2018
LabelCaroline
VertriebUniversal Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


Versenden Drucken

Weitere Artikel



The Faim - Summer Is A Curse

Aktuelle Playlist

18:50:12
MAJOR LAZER FEAT. M?? & DJ SNAK
LEAN ON

CD-Archiv

CD-Archiv

Suche in der Radio Bonn/Rhein-Sieg - CD-Datenbank nach Interpreten und/oder CD-Titeln.

Anzeige
Zur Startseite