Musik / CD

Rosemary & Garlic: Rosemary & GarlicSanfte Naturkundemusik

In einem vom Schnee bedeckten Garten sieht alles still aus. Lediglich ein paar Fußspuren im frischen Weiß zeugen auf den ersten Blick von Leben. Doch langsam rinnen ein paar Tropfen bis zum Boden, widerspenstiges Gras wehrt sich gegen das Gewicht der Schneedecke, türmt sich auf, und die Sonne lässt ihre Strahlen auf die Natur fallen, die glitzert und lebt. Wollte man für diese wonnigen Strahlen im Winterpanorama einen Sound kreieren, so würde er wohl genau so klingen wie das niederländische Duo Rosemary & Garlic auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum.

Wie in einem Prisma gebrochen funkeln die sanften Piano- und Gitarrenmelodien auf "Rosemary & Garlic" und erwärmen den Gehörgang, um dann von Sängerin Anne van den Hoogan mit heller, kristallklarer Simme endgültig in eine akustische Version von Claude Monets "Die Elster" übertragen zu werden. Den Winter hatten sich die Niederländer schon 2015 auf ihrer EP "The Kingfisher" zu eigen gemacht. Nun lassen sich van den Hoogan und ihr Kollege Dolf Smolenaers auch auf den Bachlauf ein, der im Frühling wieder losplätschert - wie etwa im elektronischen Song "The Tempest", der mit Bass und Trommeln sehr lautmalerisch erwacht.

"Rosemary & Garlic" beschreibt geschickt ein musikalisches Aufblühen, kommt dann aber auch wieder runter an den Punkt, an dem es spät im Jahr wird und nach dem Herbst erneut ein stiller Winter wartet. Manchmal rutscht van den Hoogans Organ dabei per Effekt in den Hintergrund und Smolenaers erhebt seine Stimme. Doch solche Wechsel passieren in dieser Musik ganz ohne Wucht, sodass kein Ast bricht und keine Wurzel ausgerissen wird. Es ist ruhige Folk-Musik mit träumerischen Elementen, die sich zyklisch wiederholen, sich gegenseitig aufnehmen, ablösen und in das nächste Stück hineinfließen. Diese Musik, könnte man sagen, ist Balsam für die Seele.

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Trotzdem fehlt bei Rosemary & Garlic noch ein Quäntchen Dringlichkeit. Die Niederländer wirken wie die kleinlauten Geschwisterchen von Laura Marling oder Angel Olsen, die noch ein bisschen vor Nervosität stottern und nicht auf den Punkt kommen. Die Melodien sind süß, aber nicht wirklich eingängig, der Gesang schön, aber nicht atemberaubend. Nachdem man den musikalischen Garten etwas mehr als eine halbe Stunde beobachtet hat, erkennt man Wiederholungen und Muster.

Womöglich müssen Rosemary & Garlic noch etwas öfter durch die so zurückhaltend vertonten Jahreszeiten wandern, bis sie ihre Beschreibungen mit mehr Leben füllen können. Bis dahin können Folk-Fans noch auf das bisherige Werk zurückblicken und diese durchaus auch charmante Schüchternheit genießen. Nur nicht zu lange, sonst könnte es passieren, dass man sich langweilt.

Arne Lehrke

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelRosemary & Garlic
Bandname/InterpretRosemary & Garlic
Erhältlich ab12.01.2018
LabelNettwerk
VertriebWarner
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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