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La La LandMan wird ja wohl noch träumen dürfen

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Nein, es gibt kein Happy End in Damien Chazelles "La La Land". Gleichwohl ist die Hoffnung in seinem furiosen Filmmusical über ein Liebespaar in der Traumfabrik erlaubt. Hier liegen Glück und Traurigkeit eng beieinander, und es werden mit verschwenderischer Kraft die ganz großen Träume geträumt. Dafür ist das Kino schließlich da: Dass der Film mit einer imposanten Musicalnummer auf dem Freeway beginnt, ist nur konsequent. In Hollywood ist immer "Another Day Of Sun", auch wenn die Träume öfter mal im Stau stehen. Immerhin bleibt dabei Zeit für eine erste Begegnung zwischen Emma Stone und Ryan Gosling.

Sieben Golden Globes hat "La La Land" bekommen, sie zeugen von der Sehnsucht nach einem Kino, das mehr ist als Haudrauf-Bombast und visueller Overkill - wobei "La La Land" freilich in sympathischer Altmodischkeit selbst optisch aus dem Vollen schöpft mit seinen "Bigger Than Life"-Choreografien, den satten Technicolor-Farben, den sorgfältig arrangierten Studiokulissen. Natürlich gilt "La La Land" auch als Oscar-Favorit; es wäre schon originell, wenn Hollywood einen Film auszeichnet, der all jene Tugenden in sich vereint, von denen sich die Traumfabrik längst verabschiedet hat.

Dennoch: "La La Land" ist mitnichten eine verklärte Rückbesinnung auf die Zeit, in der Hollywood mehr einfiel als Eventmovies, Superheldenfilme, Remakes, Sequels und Never-Ending-Franchises. Damien Chazelle ist klug genug, auch das Morgen im Blick zu haben und das Jetzt nicht zu vergessen, in dem sich der Pianist Sebastian (Ryan Gosling) und die angehende Schauspielerin Mia (Emma Stone) immer wieder treffen. Zwei Menschen mit Talent und großen Träumen, die sich im Scheitern Halt geben.

Man kann sich in "La La Land" verlieren, weil Damien Chazelle, der vor zwei Jahren das bravouröse Drummerdrama "Whiplash" inszenierte, in seiner Sehnsucht nach dem klassischen Hollywood den Film immer wieder neu erfindet. Trotzdem ist man gut aufgehoben, nicht zuletzt weil die Hauptdarsteller fantastisch harmonieren. Wenn Gosling spöttisch eine Augenbraue hebt, muss er nicht viel sagen. In Emma Stones Augen liegt die große Sehnsucht, und man möchte mitweinen, wenn sie beim Casting eigentlich alle umhaut, es aber niemand mitbekommt, weil die Entscheider abgelenkt sind - von einem Sandwich oder routinierter Langeweile.

Es ist eine traurige, eine melancholische Liebesgeschichte die Seb und Mia erleben - aber das ist gar nicht schlimm. Weil sie tief im Inneren ahnen, dass sie sich opfern müssen für ihre Kunst, für ihre Träume. Also genießen sie ihre gemeinsame Zeit in der bitteren Vorahnung, dass sie eines Tages vorbei sein wird.

Für wen funkeln die Lichter der City Of Stars eigentlich, fragen sie sich? In einer Stadt, in der alles angebetet wird und nichts einen Wert hat, wie Sebastian so weise feststellt. Er hängt dem Jazz nach, wie er früher einmal war: Heute gibt es in den berühmten Clubs von damals Salsa und Tapas. "La La Land" ist auch eine nachdenkliche Reflexion über das Kino, über den Jazz, über ihre Gemeinsamkeiten und die Notwendigkeit von Veränderungen, die vor Seb und Mia nicht haltmachen.

Es ist so mitreißend wie ergreifend, ihnen dabei zuzusehen, wie sie sich durch ein Dickicht aus Sehnsüchten, Hoffnungen und Realitäten schlagen und am Ende ein Ziel erreichen. Auf dem Weg dahin haben sie Fred Astaire gehuldigt, "Casablanca" ihre Ehre erwiesen und James Dean auferstehen lassen. Im Planetarium aus "...denn sie wissen nicht, was sie tun" fliegen sie zu den Sternen, und für einen letzten Moment ist alles so, wie es sein muss. Glück und Traurigkeit liegen eng beieinander. Diese Erkenntnis ist dann doch irgendwie ein Happy End.

Andreas Fischer

Kinofilm
Filmbewertungausgezeichnet
FilmnameLa La Land
OriginaltitelLa La Land
Starttermin12.01.2017
RegisseurDamien Chazelle
GenreMusical
SchauspielerEmma Stone
SchauspielerRyan Gosling
SchauspielerJohn Legend
Entstehungszeitraum2016
LandUSA
Freigabealter0
VerleihStudiocanal
Laufzeit128 Min.
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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