Kino / Portraits

Mein Witz gehört zu mir

Emma Stone singt und tanzt sich bravourös durch "La La Land" (Start: 12. Januar)

Es hat eine gewisse Ironie, dass wohl ausgerechnet "La La Land" (Start: 12. Januar) der große Meilenstein in Emma Stones Karriere werden wird - eine farbenprächtige Liebeserklärung an Los Angeles, eben die Stadt, der sie 2009 den Rücken kehrte. Es sei "verdammt schwer" für sie, dort zu leben, erklärte die frischgebackene Golden-Globe-Gewinnerin 2011 im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau. Und nun feiert sie in Damien Chazelle großartigem Musical singend und tanzend zusammen mit Ryan Gosling das alte Hollywood. Sie habe sich während der Dreharbeiten neu in die Stadt verliebt, meinte die 28-Jährige oft im Zuge der PR-Tour zum Film, der am 12. Januar in die Kinos kommt. Dass Emma Stone für ihr Tänzchen durch Los Angeles derzeit Auszeichnung um Auszeichnung erhält, könnte ebenfalls zur Versöhnung beigetragen haben.

Einst, mit 15, bekniete Emma Stone ihre Eltern förmlich, sie nach Los Angeles ziehen zu lassen, um dort ihr Glück als Schauspielerin zu versuchen. Sogar eine PowerPoint-Präsentation hatte die Teenagerin ausgearbeitet, um ihre Argumentation zu unterstützen. Mit Erfolg: Ein Jahr später bezogen sie und ihre Mutter eine Wohnung in der Filmmetropole, Vater und Bruder blieben in Scottsdale, Arizona. Dort angekommen, musste Stone feststellen, dass sie quasi schon dort war: Eine Emily Stone, so der eigentliche Name der Schauspielerin, war bei der Screen Actors Guild registriert, ein neuer Name musste her. Riley, beschloss der spätere Star, und bereute den Entschluss schon wenig später: "Sechs Monate lang hieß ich Riley Stone, und irgendwann hatte ich eine Gastrolle bei 'Malcolm mittendrin'. Sie riefen am Set nach Riley, und ich hatte keine Ahnung, wen sie meinten." So wurde aus Emily Riley und aus Riley schließlich Emma.

Und irgendwann hatte Emma Glück: Nach einer Handvoll Auftritten in Fernsehserien und vielen, vielen Enttäuschungen erhielt sie 2007 ihre erste große Rolle, Jonah Hills Schwarm in "Superbad". Es folgten Komödien wie "House Bunny" (2008) mit Anna Faris und Kat Dennings und "Zombieland" (2009) mit Jesse Eisenberg und Woody Harrelson. Langsam aber sicher fand Hollywood Gefallen an Emma Stone - aber Emma Stone nicht mehr an Hollywood. "Alle reden über Filme. Ständig. Es ist schwer, dort ein echtes Leben zu führen, als echte Person, wenn man nur von der Unterhaltungsindustrie umgeben ist", beschrieb der Rotschopf, der ursprünglich mal blond war, 2011 der teleschau das Leben in der Stadt der Träume. "Ich erinnere mich an den Tag, an dem ich beschloss, umzuziehen: Ich saß in einem Restaurant, und die Leute links von mir redeten über das Drehbuch, das sie gerade schrieben, und die Leute rechts von mir redeten über den Film, den sie gerade produzierten. Genug! Ich will neben einem Buchhalter und einem Anwalt sitzen." Sie zog nach New York, hat inzwischen aber auch eine Bleibe in Los Angeles.

Schaden nahm ihre Karriere nach der Flucht aus der Filmstadt nicht - im Gegenteil: Mit der cleveren High-School-Komödie "Einfach zu haben" feierte die Schulabbrecherin 2010 ihren großen Durchbruch. Ein Jahr später avancierte sie mit "Crazy, Stupid, Love." und "The Help" zum Publikumsliebling. "Viele junge Schauspielerinnen sind entweder sehr ernst und mürrisch oder sehr rehäugig und darauf trainiert, mit ihren Augenaufschlägen die Kamera zu verführen. Emma umgeht das", umschrieb Regisseur Marc Webb einst das Geheimnis seiner "Amazing Spider-Man"-Darstellerin. Emma Stone ist sie selbst. Auch wenn das nicht immer angenehm ist.

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Mit acht Jahren erlitt die Amerikanerin ihre erste Panikattacke, verbrachte die kommenden Jahre in Therapie und selbst gewählter Einsamkeit. "Ich war gewissermaßen bewegungsunfähig", erklärte sie einst in der "Vogue". "Ich wollte nicht zu meinen Freunden gehen oder mit irgendjemandem abhängen, und niemand konnte es verstehen." Erst als sie mit elf dem Ensemble des Phoenix Valley Youth Theatre beitrat, besserte sich ihr Gesundheitszustand. "Es gab mir ein Ziel. Ich wollte die Leute zum Lachen bringen." Panikattacken bekommt die Improvisationsspezialistin auch heute noch, etwa, als sie 2012 die weibliche Hauptrolle in "The Amazing Spider-Man" spielte. Backen war damals ihr Ventil: "Ich backte die ganze Zeit, mehr als jemals jemand essen könnte. Doch es gab mir Sicherheit, dass ich wusste, was herauskommen würde, wenn ich das und das zusammenrühre."

Auch vor Selbstzweifeln ist der selbsterklärte Kontrollfreak nicht gefeit. Doch der Humor und die Offenheit, mit der sie damit umgeht, lassen Emma Stone so sympathisch wirken. In einem "Vanity Fair"-Artikel über ihre Freundin Jennifer Lawrence offenbarte die Filmverrückte etwa, dass sie sich früher wohl von ihrer Kollegin eingeschüchtert fühlte: "Ich dachte, 'oh mein Gott, sie ist so großartig und dynamisch und talentiert, ich bin so am Arsch. Ich werde nie wieder arbeiten, lebt wohl, Träume.' Dann beruhigte ich mich, erinnerte mich daran, dass wir komplett verschieden sind und es Platz für alle gibt, auch wenn das eine Idee ist, die in unserer Branche nicht so rumposaunt wird."

Eine Branche, in der sich die Frau mit der markanten, rauen Stimme nicht immer fair behandelt fühlt, so sehr sie ihren Job auch liebt: "Es gab Zeiten, in denen mir am Set gesagt wurde, dass ich den Betrieb aufhalte, weil ich eine Meinung oder eine Idee äußerte", erinnerte sich Stone kürzlich in einem "Rolling Stone"-Interview. "Ich will nicht sagen, dass es daran liegt, dass ich eine Frau bin. Aber manchmal, wenn ich improvisierte, lachte man am Set über meinen Witz und gaben ihn dann meinem männlichen Co-Star. Meinen Witz!"

Inzwischen dürfte sich die Singlefrau, die sich vor einem Jahr in Freundschaft von "Spider-Man"-Co-Star Andrew Garfield trennte, solche Gemeinheiten nicht mehr gefallen lassen müssen. "Ihre Talente sind in voller Blüte", erkannte "La La Land"-Partner Ryan Gosling gegenüber "CNN" an, die Studios stehen Schlange. In "Battle of the Sexes" wird sie demnächst Tennislegende Billie Jean King spielen, danach Cruella de Vil in Disneys Realverfilmung von "101 Dalmatiner".

Doch zunächst heißt es abwarten, was die Award-Saison noch so bringt. Eine Oscarnominierung, die zweite nach "Birdman", scheint Emma Stone nach ihrem Golden-Globe-Triumpf sicher. Das schönste Kompliment für "La La Land" hat die Hauptdarstellerin des Musicals wohl jedoch schon im September bekommen - während des Telluride Film Festivals, von Tom Hanks, einem ihrer großen Idole: "Wenn das Publikum etwas so Wundervolles wie diesen Film nicht dankend in die Arme schließt, dann sind wir alle verloren."

Annekatrin Liebisch

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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