Kino / Portraits

"Wer liebt und geliebt wird, kann alles schaffen"

Omar Sy überrascht in "Plötzlich Papa" (Start: 05.01.2017) als feinfühliger Vater

Es ist dieses Grinsen, dieses Lachen in der Stimme, das diesen Mann so charismatisch macht. Seitdem er 2011 mit "Ziemlich beste Freunde" seinen Durchbruch feierte, ist die Filmwelt verrückt nach dem Franzosen. Das gilt auch für Sys Wahlheimat Hollywood, wo der 38-Jährige mit dem Cinemascope-Grinsen zuletzt an der Seite von Tom Hanks ("Inferno", 2016) und Hugh Jackman ("X-Men: Zukunft ist Vergangenheit", 2014) spielte. In der französischen Komödie "Plötzlich Papa" (Start: 05.01.) von Hugo Géiln brilliert er als leichtfüßiger Frauenschwarm, der überraschend Vater wird. Ein knackiges Gespräch im Auto zwischen vielen Terminen, Sy ist für Interviews auf Stippvisite in Berlin. Voilà.

teleschau: Herr Sy, was macht einen guten Vater aus?

Omar Sy: Da gibt es kein Rezept. Es gibt weder den perfekten Vater noch die perfekte Mutter. Man sollte einfach versuchen, im Rahmen seiner Möglichkeiten das Beste draus zu machen. Ich denke, Liebe ist dabei das Wichtigste. Das ist auch das Einzige, was Kinder wirklich brauchen. Denn Liebe macht uns stark, großzügig und zu besseren Menschen, sie macht uns offen und neugierig. Wer liebt und geliebt wird, kann meiner Meinung nach alles erreichen, dem liegt die Welt zu Füßen. Und wer geliebt wird, hat letztlich auch weniger Angst.

teleschau: Was ist das Wichtigste, das Sie Ihren vier Kindern mit auf den Weg geben wollen?

Sy: Na Liebe, was sonst! (lacht). Aber das ist das Problem, dass es in unserer heutigen Welt an Liebe fehlt. Und wenn ich so etwas sage, denken die Leute, ich sei bescheuert oder ein naiver Träumer. Aber ich würde mir wünschen, dass die Leute der Liebe wieder mehr Raum geben. Und das möchte ich mit meinen Filmen erreichen.

mehr Bilder

teleschau: In "Plötzlich Papa" geht es ja auch darum, die eigenen Ängste zu überwinden und sich dem Leben zu stellen. Was ist Ihre größte Angst?

Sy: Ich habe Angst davor, allein zu sein, einsam.

teleschau: Gut, die Gefahr scheint mit vier Kindern ja erstmal gebannt. Was macht Sie glücklich?

Sy: Ich bin ein neugieriger Mensch und liebe es, neue Leute kennenzulernen, zu reisen, die Welt zu sehen. Ich will immer etwas Neues entdecken, das erfüllt mich.

teleschau: Dafür ist Ihr Beruf natürlich perfekt.

Sy: Allerdings! Da ist ständig alles neu: die Leute, mit denen ich zusammenarbeite. Und auch die Figuren, die ich spiele, sind für jedes Mal Neuland für mich. Besser geht's nicht.

teleschau: Das heißt wohl, die Schauspielerei ist für immer noch pures Vergnügen?

Sy: Natürlich! Ich kann mich wirklich nicht beklagen, ich reise um die Welt und liebe, was ich tue. Ich weiß, dass das in dieser Welt ein Privileg ist, morgens aufzuwachen und das machen zu können, was einem Freude macht. Da gibt es nicht so viele, die das von sich behaupten können.

teleschau: Das erklärt vielleicht, wieso Sie so unglaublich gute Laune haben. Sind Sie auch mal schlecht drauf?

Sy: Selten. Und wenn, dann bleibe ich einfach zu Hause, dann merkt es keiner.

teleschau: Sie haben als Comedian angefangen. War das eher hilfreich oder eher hinderlich, als Sie dann ins Schauspielfach wechselten?

Sy: Mein Humor hat mir immer schon geholfen, auf andere Leute zuzugehen, eine Verbindung herzustellen. Wenn man einen Witz macht, findet man leichter einen Zugang zu anderen. Ein Lachen bricht das Eis und ist eine Sprache, die einfach jeder auf dieser Welt versteht.

teleschau: Woher kommt dieser Sinn für Humor?

Sy: Ich habe nicht die geringste Ahnung. Es ist einfach meine Art, mit den Dingen umzugehen, vielleicht besitze ich da eine besondere Sensibilität, ich weiß es nicht genau. Aber ich will meine Zeit auch gar nicht damit vertun, Dinge zu erklären, wissen Sie. Denn wenn man damit anfängt, alles zu hinterfragen, geht zu viel Zeit verloren.

teleschau: Sie sind der erste farbige Darsteller, der Frankreichs wichtigsten Filmpreis, den César, erhielt. Wo bewahren Sie ihn auf?

Sy: Der steht zu Hause im Regal.

teleschau: Sie kommen aus der Pariser Banlieue, sind mit sieben Geschwistern in einer Plattenbau-Wohnung aufgewachsen. Wie fühlt es sich für Sie an, berühmt zu sein?

Sy: Ich weiß ja nicht mal, was es heißt, berühmt zu sein. Klar, seither komme ich viel rum in der Welt und treffe eine Menge Leute, die mich immer schon kennen. Aber ich denke ansonsten nicht darüber nach.

teleschau: Sie haben inzwischen mit großen Hollywoodstars gedreht. Ihre Familie muss mächtig stolz auf Sie sein.

Sy: Natürlich! Meine Karriere ist ein wunderbares Geschenk, das mir das Leben gemacht hat. Ich begegne so vielen außergewöhnlichen Menschen und darüber bin sich sehr glücklich und versuche, das Beste daraus zu machen.

teleschau: Sie leben seit 2012 mit Ihrer Frau Hélène und den Kindern in Los Angeles. Inwiefern hat sich Ihr Leben seither verändert?

Sy: Das Wetter ist anders! Das ist für mich die größte Veränderung, denn es scheint ja jeden Tag die Sonne. Und was Sie vielleicht nicht wissen: Die Leute dort sprechen Englisch, das ist für mich zumindest eine große Veränderung. (lacht)

teleschau: Wollen Sie in Amerika bleiben, auch wenn Trump jetzt Präsident ist?

Sy: Keine Ahnung, im Moment gefällt es mir in den USA ganz gut, ich bin glücklich. Wenn sich das ändern sollte, sehen wir weiter. Ich folge da ganz meinem Gefühl.

teleschau: Und, wo sehen Sie sich in ein paar Jahren?

Sy: Ich mache keine Pläne, ich lasse mich lieber vom Leben überraschen.

Heidi Reutter

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

Zugehörige Artikel

Nicole Kidman in "Ziemlich beste Freunde"-Remake?

"Breaking Bad"-Star Bryan Cranston, Top-Comedian Kevin Hart und nun auch Oscarpreisträgerin Nicole Kidman? Wie "Deadline" vermeldet, wurde ...

mehr

Versenden Drucken

Weitere Artikel


Film-Starts

Film-Archiv

Suchen Sie im Radio Bonn/Rhein-Sieg Film-Archiv anhand eines Titels oder eines Darstellers nach Filmkritiken.

  
DVD-Filme

Erfahren Sie mehr über die neu erschienenen DVDs in den aktuellen Besprechungen.

Anzeige
Zur Startseite