Kino / Portraits

Im Auftrag von Rebellion und Feminismus

Felicity Jones spielt die Hauptrolle in "Star Wars: Rogue One" (Start: 15.12.)

"Schon wieder eine Frau?", heißt es im Netz wieder allerorten. Wohl kaum eine Arbeitsstelle im kulturindustriellen Hochbetrieb ist aktuell so begehrt und gefürchtet zugleich: Als weibliche "Star Wars"-Hauptfigur tritt man in die Fußstapfen einer Popkultur-Legende; zugleich bleibt Prinzessin Leia für orthodoxe Verehrer der Sternensaga natürlich unerreicht. Ein Teil jener Hardcore-Fans ist es auch, der jungen Schauspielerinnen die Weltraummärchen-Ehre verleidet. Diejenigen, die es nicht ertragen, dass "ihr" genuin männliches Franchise plötzlich von Weibsbildern gekapert wird. Umgehen musste damit Daisy Ridley, die 2015 in "Das Erwachen der Macht" den Part der Rey übernahm. Und auch Felicity Jones, die vor zwei Jahren mit "Die Entdeckung der Unendlichkeit" einem breiteren Publikum bekannt wurde, kann sich darauf einstellen: In der Rolle der Rebellen-Kämpferin Jyn ist die 33-Jährige das Gesicht des "Star Wars"-Spinoffs "Rogue One", das am 15. Dezember in die Kinos kommt.

"Ich will, dass Typen den Film sehen und dann wie Jyn sein wollen": Sätze wie diese sind es, über die sich die Maskulinisten unter den "Star Wars"-Fans herzlich aufregen können. Gesagt hat ihn Felicity Jones zufolge "Rogue One"-Regisseur Gareth Edwards - als Rollen-Anweisung für die Britin, die im ersten Ableger des "Star Wars"-Universums die Hauptfigur spielt.

Dass deren Geschlecht eine so großes Politikum darstellt, sollte in unserem Jahrhundert aufhorchen lassen, ist angesichts des gesellschaftspolitisch polarisierenden Jahres 2016 aber kaum verwunderlich. Entsprechend wenig wundert es in diesen Zeiten ebenso, dass Felicity Jones sich in Interviews ernsthaft mit der Frage nach der "starken Frauenfigur" auseinandersetzen muss. Selbstverständlich - so die Lehre der vergangenen Monate - scheint die gleiche Behandlung der Geschlechter auch im Filmbetrieb absolut nicht. Deshalb sagt die gebürtige Birminghamerin, die bei ihrer alleinerziehenden Mutter aufwuchs, dieses Jahr im "Glamour"-Interview auch: "Es ist so eine seltene Gelegenheit, mal eine Frau zu verkörpern, die nicht nur an Beziehungen denkt."

In der Tat: Mit sehr "weiblichen" Rollen dieser Art musste die vormalige Englischstudentin und Theaterdarstellerin bislang oft Vorlieb nehmen. Sei es in der Shakespeare-Adaption "The Tempest - Der Sturm" von 2010 oder in ihrem großen Durchbruch ein Jahr später mit dem komplett improvisierten Drama "Like Crazy", das der aufstrebenden Schauspielerin den Newcomer-Preis der Hollywood Film Awards, den Jury-Sonderpreis beim Sundance Festival und weitere Auszeichnungen bescherte. Ebenso verhielt es sich mit "The Invisible Woman" von 2013 und - an der Seite des späteren Oscarpreisträgers Eddie Redmayne - mit ihrem bislang größten Erfolg "Die Entdeckung der Unendlichkeit", für den auch sie 2014 mit einer Academy-Award-Nominierung als beste Hauptdarstellerin bedacht wurde.

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Meist verkörperte Jones junge Frauen, die sich in Männer verliebten, unglücklich von ihnen trennten, alles für sie taten, zu ihnen aufblickten oder sich einfach der Fürsorgerinnen-Rolle fügten. Für eine Schauspielerin, die von ihrem Job in der "Vogue" schwärmte, er sei "wie die Arbeit einer Nonne oder eines Mönchs - eine Berufung", kann da natürlich nicht Schluss sein. Und Jones handelte: Der Part in der Dan-Brown-Verfilmung "Inferno" ging bereits in eine ganz andere Richtung; bei der Weltenrettung stand sie als Wissenschaftlerin Hauptdarsteller Tom Hanks in nichts nach.

Der Grund für den Ärger der Hater im Netz ist deshalb zugleich der Grund für die Freude der vergleichsweise spät Durchgestarteten, deren Karriere mit dem "Star Wars"-Franchise noch einmal eine Extrabeschleunigung erfahren dürfte. "Eine Freundin von mir sagte: 'Ich liebe, wie Jyn aussieht. Sie sieht aus wie wir, mit Hosen und Longsleeve.' Wir tragen keine Hot Pants. Wann laufen Frauen mit Hot Pants herum?", fragte Jones süffisant in der "Glamour".

Das kann so einige gestrige Herren schon mal zur Verzweiflung treiben: Nicht nur verkörpert die Oxford-Absolventin bereits die zweite weibliche "Star Wars"-Hauptfigur, die sich anders als einst Leia nicht von starken lederbejackten Armen abhängig macht - und sich bei alledem sogar jeglichen sexy Klamotten verweigert. Zu allem Überfluss gibt diese Jones auch noch eine Hollywood-Feministin aus dem Bilderbuch - wie sie die Traumfabrik mit antisexistischen Kämpferinnen für Gleichberechtigung à la Jennifer Lawrence und Emma Watson in den vergangenen Jahren vermehrt sah.

"Ich war schon immer Feministin", behauptet Jones, die sich aktiv etwa für gleiche Bezahlung für Frauen einsetzt. Dazu gebracht habe sie ihre in den 70er-Jahren sozialisierte Mutter, eine selbstbewusste feministische Werberin, der es nichts ausmachte, dass sich die junge Felicity als Tomboy vor allem mit Jungs umgab. In diesem Sinne ist die actionreiche "Star Wars"-Rolle eine Rückkehr zu dieser abenteuerreichen wie politischen Kindheit, die natürlich nur unter den behüteten Umständen des britischen Bildungsbürgertums möglich war - und von den stereotypen Anforderungen für Schauspielerinnen im Serien- und Filmbetrieb jäh unterbrochen wurde.

"Das Wichtige an weiblichen Charakteren ist doch, dass sie weder taff noch verletzlich sein sollen - sondern eine Kombination daraus", sagte Felicity Jones der Zeitschrift "Elle". "Es geht darum, Menschlichkeit zu zeigen, komplexe, interessante Charaktere. Denn auch bei weiblichen Charakteren haben wir doch unendliche Möglichkeiten." Ob diese im dahingehend noch recht rückständigen Hollywood-Hochbetrieb auch für volle Kinosäle sorgen, wird "Star Wars: Rogue One" zeigen.

Maximilian Haase

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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