Kino / Portraits

Die weibliche Sicht der Dinge

Amy Adams spielt die Hauptrolle im SciFi-Drama "Arrival" (ab 24.11. im Kino)

Riesige eiförmige Fluggebilde schweben plötzlich an verschiedenen Orten der Erde über dem Boden. Die Menschheit ist ebenso alarmiert wie ratlos. Während Militärs und Regierungen nicht so recht wissen, was sie mit den Objekten anfangen sollen, versteht die Linguistin Louise Banks (Amy Adams) im Drama "Arrival" (Start: 24.11.) als Einzige, dass die friedlichen Besucher aus der Mitte des Universums Sinnfragen stellen, mit deren Beantwortung sich die Menschheit schwer tut. Denis Villeneuves beeindruckendes SciFi-Kammerspiel kommt ganz ohne Action und Sternenkrieg aus - zur Freude seiner Hauptdarstellerin. Amy Adams verband man in der Vergangenheit vor allem mit Komödien - dass die 42-Jährige auch im ernsten Fach beeindruckt, beweisen nicht nur fünf Oscarnominierungen. Im Interview spricht die US-Schauspielerin über Aliens, über Frauen in Hollywood und über ihre kleine Tochter.

teleschau: Braucht es eine weibliche Heldin, um der Wahrheit in dieser Geschichte näher zu kommen?

Amy Adams: Auch männliche Figuren können sich natürlich der Wahrheit einer Geschichte nähern. "Arrival" ist aber eben einfach eine weibliche Geschichte. Für mich war das ein Glücksfall, dass Denis Villeneuve sich dafür entschieden hat, die Geschichte aus weiblicher Perspektive zu erzählen. Er hat sich damit übrigens exakt an die Kurzgeschichte gehalten, die als Vorlage für den Film diente.

teleschau: Ihre Rolle verlangte Ihnen einiges ab: Die Hauptfigur verliert gleich zu Beginn des Films ihre Tochter, als diese an Krebs stirbt.

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Adams: Und es vermag wohl jeder halbwegs mitfühlende Mensch sich vorzustellen, wie unfassbar schlimm diese Erfahrung sein muss. Ich bin mir dessen bewusst, dass die schauspielerische Nachempfindung - also mein Job - natürlich in keiner Weise mit der realen Erfahrung vergleichbar ist. Diesen Unterschied im Blick zu behalten, hilft bei der Darstellung. Ich sagte mir beim Dreh laufend: "Es ist nicht real, es ist nicht real." Es ist meine empathische Antwort auf eine Situation, die jemand für mich ins Drehbuch geschrieben hat.

teleschau: "Arrival" ist eine Ausnahme: Man könnte beinahe glauben, Frauen in Hollywood-Hauptrollen seien so exotisch wie Außerirdische.

Adams: Gibt es Parallelen zwischen Frauen und Aliens? Das sehe ich überhaupt nicht so. Aber zum Glück hatten wir in unserem Film ja zusätzlich zu den Frauen auch Aliens dabei. Vielleicht hat das bei der Finanzierung geholfen. Im Ernst: Wir hatten ein unglaublich gutes Drehbuch. Und die weibliche Protagonistin war einfach ein Teil dieser hervorragenden Geschichte. Denis Villeneuve wollte die Story auch nicht abschweifen lassen - hin zu den politischen oder wissenschaftlichen Implikationen. Er hat sie exakt so intim gehalten, wie sie geschrieben wurde.

teleschau: Ihre Filmfigur ist ein wahres Sprachgenie. Sie selbst auch?

Adams: Ã?berhaupt nicht! Ich war in der Schule eher bei der Kunst- und Musikfraktion, nicht bei den Sprachkünstlern. Am Set führte es bei mir zur totalen Panik, dass ich in einer Szene Mandarin sprechen musste. Auch wenn es nur vier Zeilen waren. Während der Vorbereitung auf den Dreh erklärte mir dann eine Linguistin, dass es bei Linguistik ja nicht nur um das Sprechen oder das Ã?bersetzen geht.

teleschau: Sondern?

Adams: Hauptsächlich geht es darum, die Geschichte einer Sprache zu verstehen, ihre Struktur und derartig komplexe Dinge. Ich habe von ihr gelernt, dass sich Linguistik mit dem soziologischen und anthropologischen Hintergrund einer Sprache beschäftigt. Diese Dame hatte übrigens promoviert über die Alltagssprache der Maya. Sehr abgefahren! "Arrival" zeigt uns aber auch, dass nur Beziehungen überhaupt zu echter Kommunikation führen. Denn wenn man den Kontext nicht kennt, aus dem heraus jemand spricht, dann versteht man ihn auch nicht wirklich.

teleschau: Sprache ist also nur ein Teil der Kommunikation?

Adams: Ohne Verständnis, Empathie und die Bereitschaft, sich in die Realität des anderen zu versetzen, funktioniert gar nichts. Das wird mir auch immer klar, wenn ich mich mit meiner sechsjährigen Tochter unterhalte. Ein Gespräch mit jemandem zu führen, der nur über einen Bruchteil des Verständnisses und der Sprache verfügt, über die ich verfüge, der aber dennoch fest davon überzeugt ist, den vollen Durchblick zu haben, kann sehr anstrengend werden (lacht).

teleschau: Ihre Tochter hört auf den ungewöhnlichen Namen Aviana.

Adams: Benannt nach jener US-Air-Force-Base auf der meine Familie stationiert war, als ich klein war war. Das klingt zunächst etwas abgefahren, aber sie lief bereits in der Schwangerschaft unter dem Projektnamen "Avi". Dann haben wir sie halt nach der Geburt "Aviana" getauft. Aber hey, es soll ja auch Leute geben, die nennen ihre Kinder "Paris" oder "Brooklyn".

Kerstin Lindemann

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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