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Willkommen bei den HartmannsNehmt euch mal nicht so ernst!

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Der Deutsche ist wirr, "kompliziert", wie Diallo (Eric Kabongo) feststellt. Das so souveräne Torwartspiel von Manuel Neuer, das er von Nigeria aus im Fernsehen bewunderte, ist nicht stellvertretend für die deutsche Gesellschaft. Souverän scheint hier keiner zu sein. - Ja, Neuankömmlinge aus anderen Kulturkreisen haben es hier auch schwer, nicht nur die Alteingesessenen mit den "Gästen". Regisseur und Drehbuchautor Simon Verhoeven wagt den Tanz auf der Rasierklinge und versammelt eine Handvoll deutscher Kinostars, um den Wahnsinn der Flüchtlings-Thematik zu durchleuchten. Seine Komödie "Willkommen bei den Hartmanns" ist schlaues Kino, das in einer hitzigen, oft nur leidlich geführten Diskussion eine andere Perspektive einnimmt und zu allen Seiten ausschlägt.

Beachtlich ist bereits die vom Kinoplakat dreinschauenede Star-Schar des Films: Verhoevens Mutter Senta Berger und Heiner Lauterbach spielen Angelika und Richard Hartmann - sie pensionierte Lehrerin mit Helfersyndrom, er nicht zu pensionierender Chirurg mit Angst vorm Alter. Florian David Fitz spielt ihren erfolgreichen Wirtschafts-Anwalts-Sohn Philip, Palina Rojinski Dauerstudenten-Tochter Sophie. Elyas M'Barek ist als gewohnt charmanter und liebreizender Prinz im Assistenzartztkittel dabei, Uwe Ochsenknecht füllt die Nebenrolle eines völlig "chillaxenden" Schönheitschirurgen-Klischees aus. München wird in liebevollen Bildern zu einem weiteren Star auserkoren.

Als erwähnter Diallo bei den Hartmanns unterkommt, da Angelika zwischen Langeweile, Weingenuss und unerfülltem Gluckenbedürfnis ihren Willen durchsetzt, zieht wahrlich eine vielzitierte Bereicherung bei einer normal-verrückten Familie ein. Eine Familie mit normal-verrückten Problemen: Im Bett der Hartmanns ist öfter die Katze zu Gast als die Leidenschaft, Tochter Sophie wird von einem Stalker belästigt und bekommt vor den finalen Psychologie-Examen gewohnte Zweifel, Sohn Philip überfordert Scheidung und vor allem Karriere - sein in peinlichem HipHop-Kauderwelsch palavernder Sohn Basti (Marinus Hohmann) ist der Leidtragende. Diallos Flucht vor Boko Haram scheint da das kleinste Übel im Vergleich mit all den Erste-Welt-Problemen zu sein.

Auch wenn wahrlich nicht alles brav in Verhoevens Film ist, ist es doch sein Grundvorhaben. "Willkommen bei den Hartmanns" sei laut Regisseur weder ein "'Refugees Welcome'-Märchen" noch eine "zynische Anti-'Wir schaffen das'-Komödie". Und auch wenn es zu viel des Guten wäre, in den knapp zwei Stunden Kinounterhaltung eine Lösung für die "Flüchtlingsproblematik" zu verorten, ist seine Botschaft doch eine einfache: Uns hilft wie immer nur die Mitte, der gesunde Menschenverstand. Doch wie soll man diesen bei einer so hitzig geführten Diskussion einfordern, wenn er uns nicht einmal in vermeintlich leichteren, alltäglicheren Dingen gegeben ist?

Klar, München ist nicht Bautzen, Tröglitz oder Clausnitz. Die Realitäten in Deutschland sind für Flüchtlinge wie für Bundesbürger unterschiedlich. So kann "Willkommen bei den Hartmanns" nur einen Ausschnitt liefern. Einen furchtbar unterhaltsamen Ausschnitt - obwohl die Komödie zwischenzeitlich vom Ziel abkommt, da sie der Stardichte Tribut zu zollen hat. Trotz aller Wirrungen verfällt der Film aber nicht in alberne Hektik, Klamauk bleibt die Ausnahme. Und er erlaubt sich, nicht alles zu ernst zu nehmen. Wenigstens das Kino kriegt das noch hin.

Max Trompeter

Kinofilm
Filmbewertungüberzeugend
FilmnameWillkommen bei den Hartmanns
OriginaltitelWillkommen bei den Hartmanns
Starttermin03.11.2016
RegisseurSimon Verhoeven
GenreKomödie
SchauspielerSenta Berger
SchauspielerHeiner Lauterbach
SchauspielerElyas M'Barek
Entstehungszeitraum2016
LandD
Freigabealter12
VerleihWarner
Laufzeit116 Min.
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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