Musik / CD

Gilbert O'Sullivan: Gilbert O'SullivanWiederentdeckung eines alten Meisters

Üblicherweise sind es nur die Debüt-Alben, bei denen Künstler und Werk mal denselben Namen tragen. Bei Gilbert O'Sullivan ist es anders, seine selbstbetitelte neue Platte ist bereits seine 19. reguläre Studio-Veröffentlichung. Die Marke Gilbert O'Sullivan steht seit dem Debüt "Gilbert O'Sullivan - Himself" (1971) für Ohrwurm-Pop mit so viel warmherzigen Emotionen, dass er fast die Grenze zum Kitsch streift. Aber eben immer nur fast. Als Comeback kann man das neue Album "Gilbert O'Sullivan" nicht bezeichnen, denn der Vorgänger "Latin ala G!" liegt erst drei Jahre zurück. Viele Hörer könnten O'Sullivan hier trotzdem "wiederentdecken". Denn obwohl er seit Anfang der 70er-Jahre kontinuierlich neue Musik veröffentlichte, kennt man den Iren bis heute vor allem für sein Frühwerk - die Balladen "Claire" und "Alone Again (Naturally)" sowie der Uptempo-Gassenhauer "Get Down".

Nachdem "Latin ala G!" eine Hommage an die lateinamerikanische Musik war, klingt das neue Album wieder so sehr nach dem zeitlosen klassischen Pop-Songwriting aus Gilberts Edelfeder, dass es auch ebenso gut mit dem Zeitstempel aus 1971 datiert sein könnte. Dabei gibt sich der Routinier auf seine alten Tage nicht nur als Schmusebarde, sondern erstaunlich rockig.

"The Same The Whole World Over" erinnert stark an "Get Down", "What Is It About My Girl" könnte ebenso gut dem "White Album" der Beatles entstammen. "Where Did You Go To" wiederum klingt mit Rock-Gitarre und Hammond-Orgel nach dem frühen Bob Dylan. Die Ohrwurm-Liste hat ebenfalls viele Neulinge vorzuweisen, deren Stimmungslage von heiter bis wolkig reichen. Der gutgelaunte Opener "At The End Of The Day" fällt ebenso auf wie das melancholische Finale "For The Record".

Mit "Alone Again (Naturally)" schuf Gilbert O'Sullivan 1972 einen der traurigsten Songs in der Geschichte der Popmusik. Ganz so viel Schwermut findet sich auf dem Spätwerk nicht. In der Ballade "I'll Never Love Again" etwa unterstreichen schwere Streicher das finstere Credo, doch selbst in diesem niedergeschlagenen Moment rettet die eingängige Melodie den Song vor der Überdosis Tragödie. Das lebhafte Stück "No Head For Figures But Yours" ist dann schon wieder eine Aufforderung zum Tanz, während "This Riff" minimalistischen Blues-Rock wie aus der Zeitmaschine liefert.

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Einen Durchhänger hat das Album mit dem etwas angestaubten und biederen Titel "Dansette Dreams", der über das Niveau eines Alleinunterhalters nicht hinauskommt. Eine positive Überraschung ist dagegen der für O'Sullivan-Verhältnisse geradezu sperrige Song "Penny Drops", der mit cool-rockiger Verve kurz vergessen lässt, dass hier kein junger Mann aufspielt, sondern ein 71-Jähriger.

Ein weiteres Highlight ist "The Mind Boogles", ein eingängiges One-Track-Musical zum fröhlichen Mitsingen und Schunkeln. Da noch schlechte Laune zu haben, ist unmöglich. Der Track offenbart auch eine Seite von Gilbert O'Sullivan, die deutschen Ohren oft entgeht: seine scharfsinnigen und humorvollen Texte, hier inklusive Seitenhieb gegen Donald Trump.

Zu den vielen Künstlern, die Gilbert O'Sullivan bereits Tribut zollten, zählen Größen wie Paul Weller, Morrissey, Nina Simone, Neil Diamond, James Murphy (LCD Soundsystem), Simply-Red-Sänger Mick Hucknall und Boy George. Ein bekennender Fan, der ebenalls selbst Star ist, durfte nun auch das Album produzieren. Ethan Johns, der bereits bei Ryan Adams, Kings of Leon und Paul McCartney am Pult stand, kann nur schwärmen, wenn es um Gilbert O'Sullivan geht: "Er ist ein echtes Original."

Michael Eichhammer

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelGilbert O'Sullivan
Bandname/InterpretGilbert O'Sullivan
Erhältlich ab10.08.2018
LabelBMG Rights Management
VertriebWarner
Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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