Musik / CD

Olli Schulz: Scheiß Leben, gut erzähltUnfertig, aber sexy

"Autofahren und Musik hören - das ist immer noch eine unschlagbare Kombination. Und ich glaube, deswegen wollte ich eine Platte aufnehmen, die du gut beim Autofahren hören kannst - 'ne Art Mixtape": So umrahmt Olli Schulz den Spielraum seines siebten Albums im Teaser-Video, der einzigen echten Werbe-Maßnahme zu "Scheiß Leben, gut erzählt". Ein Mixtape-Album also, wie man es sonst aus HipHop-Kreisen kennt. Tatsächlich liegt bei diesem Potpourri der Ideen die Vermutung nahe, dass Olli Schulz insgeheim gerne HipHopper wäre - oder zumindest genauso cool.

Der großmäulige Eröffnungstitel "Schockst nicht mehr" ist in erster Linie ein klassischer Schulz: leichtfüßiger Gitarren-Pop, der die Geschichte um eine eingeschlafene Beziehung mit typischem Wortspiel-Humor konterkariert - ein Disstrack an die Liebe. Doch schon "Die ganz große Freiheit" legt die Klampfe aus der Hand, zitiert die Bassline von "Seven Nation Army" und sprechsingt mit Anglizismen augenzwinkernd über einen Businessman und seine "schöne skinny Bitch".

"Ambivalent" entfernt sich sogar noch weiter vom üblichen Liedermacher-Ton. Der Song entpuppt sich mit einem opulenten Synthie-Mitklatsch-Beat als Kanye-West-Moment des Albums und überrascht dann noch durch ein Gastspiel des Rappers Ali As. Die schnodderige Beobachtungspoesie vom Vorgänger "Feelings aus der Asche" erweitern Schulz und Produzent Moses Schneider auf den zehn Songs um Grooves und Spontanität.

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Überhaupt zollt Schulz dem Pluralismus Tribut: "Wölfe" ist eine schmissige Proberaum-Reggae-Hymne auf den zweiten Frühling, "Sportboot" ein HipHop-Song und "Wachsen (im Speisesaal des Lebens)" lupenreiner Folk-Pop, der mit der stärksten Zeile des Albums brilliert: "Der Warteraum zum Glück bleibt im Haus das größte Zimmer".

"Scheiß Leben, gut erzählt" findet die Erlösung in der Vielfalt, was sich auch an der Gästeliste abzeichnet, die Schulz' Hamburg-Connection um Bjarne Mädel, Max Schröder und Olli Dittrich genauso berücksichtigt wie den ehrbaren Gisbert zu Knyphausen. Eine Party ist eben nur so gut, wie ihre Gäste.

Natürlich ereignen sich bei diesem Mut zur Unvollkommenheit nicht immer Glanztaten. Olli Schulz hat immer noch kein Händchen für sensibles Songwriting, bisweilen lässt er sich auch zu recht pubertären Reimen hinreißen. Und natürlich ist er am Ende weder im Handwerk noch in der Haltung ein Rapper. Seine Coolness fungiert subtil und vor allem dann, wenn er sich seiner Altersklasse widmet: Das charmante Indie-Beziehungs-Endspiel "Skat spielen mit den Jungs" oder die treibende Midlife-Crisis-Ode "Schmeiß alles rein" halten die ebenso verwirrende wie intensive halbe Stunde wie ein Kapodaster zusammen.

So wirkt "Scheiß Leben, gut erzählt" manchmal krude, manchmal albern und oft unfertig. Doch ähnlich wie Ollis unberechenbare TV-Auftritte triumphiert die Platte in erster Line durch ihren Demo-Charme, die den Weg zum Ziel hat. Wie sagten die Beginner noch? "Wir haben kein Ziel, aber wir fahren los".

Fionn Birr

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelScheiß Leben, gut erzählt
Bandname/InterpretOlli Schulz
GenreSinger/Songwriter
Erhältlich ab02.02.2018
LabelTrocadero
VertriebIndigo
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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