Musik / CD

You Me At Six: Night PeoplePyjama-Party mit Mitschbier

Heute haben die Kids das Haus mal ganz für sich allein. Das heißt konkret: Auch abends können sie die Musik laut laufen lassen und mit der Luftgitarre bedeutungsschwanger die luftigen Riffs simulieren, bis die Freunde vorbeikommen und man sich gemeinsam auf die Interpretation der ach so tiefgründigen Texte stürzt. Offiziell übernachtet jeder beim anderen und alle Eltern wissen Bescheid. Dabei haben die Kids eigentlich alle nur ein Date mit Mischbier und You Me At Six. Die haben nämlich ihre neue Platte rausgebracht, und sie ist zumindest dem Titel "Night People" nach so richtig düster.

Natürlich gibt es wesentlich schlimmere Musik, als die der Briten von You Me At Six. Ein Album wie "Night People", ihr bereits fünfter Beitrag zur wütendtraurigen Emo-Kultur, bietet stadiontauglichen Pop-Rock, Trost und Identifikationsfläche. Und so wenig Ecken und Kanten, dass es sogar durch Schablonen fällt, ohne irgendwas zu berühren.

Als die titelgebende Vorabsingle mit schwach ausgeleuchtetem Video im Internet landete, war vielerorts von einem "härteren" Sound die Rede. Dabei ist vor drei Jahren mit "Do I Wanna Know?" von den Arctic Monkeys die letzte Single erschienen, bei der eine stampfende Rhythmik wirklich neu wirkte. Im Anschluss daran kommt "Plus One" mit etwas Tempo und Anlauf um die Ecke, nur um mit dem Kopf gegen jedes Album von Jimmy Eat World zu rennen und sich dabei die Zähne auszuschlagen. Wenn man älter als 16 Jahre ist, dann hat man jeden Song auf "Night People" so oder so ähnlich eben schon mal gehört.

Aber damit nicht genug, denn zu den vermeintlich rockigeren Stücken gesellen sich nach und nach auch die unvermeidlichen bedeutungsschwangeren Balladen. "I've got a feeling nobody knows that you got a heavy soul", heißt es da schmachtend, und direkt danach wird mit "Take On The World" das schnulzige Versprechen einer beschwipsen Nacht gemacht, das schon beim Ausnüchtern wieder verworfen wird. Zu diesem Zeitpunkt streiten die Kids übrigens darüber, wem aus der Band sie wohl am ähnlichsten sind.

Bis kurz vor Ende passiert dann auch nicht mehr so richtig viel, bis auf das mit "Spell It Out" der kitschige Höhepunkt der Platte erreicht wird. Über Piano-Anschläge, deren Hall melancholisch den Raum erfüllen, versichert der Frontmann Josh Franceschi, dass keiner wirklich vor Schmerzen gefeit ist. Anschließend bricht eine Gitarrenwand über ihn herein, die sich aber schon nach kurzer Zeit wirkungslos verliert. Wenn die ersten Sonnenstrahlen dann die Nacht beenden, sind selbst die Kids ein wenig enttäuscht von ihrer Pyjama-Party. You Me At Six wirken auf ihrem neuen Album wie die sympathische Boygroup des Pop-Rocks. Fraglich, ob die Mittzwanziger das wirklich sein möchten, aber sonst würden die Briten wahrscheinlich endlich mal gehaltvollere Musik machen.

Arne Lehrke

Audio CD
Bewertungenttäuschend
CD-TitelNight People
Bandname/InterpretYou Me At Six
GenreIndie-Rock
Erhältlich ab06.01.2017
LabelPIAS
VertriebRough Trade
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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